Systemische Kunsttherapie
Nach meinem Verständnis verbindet die systemische Kunsttherapie zwei Perspektiven:
- Die systemische Haltung
Menschen werden in ihren Beziehungs- und Lebenskontexten verstanden und
- die kreative Ausdrucksebene der Kunsttherapie
Erleben und Vorbewusstes der Person werden über deren Bilder mit der ihr eigenen Formensprache sichtbar. Dabei dient Malen der Entfaltung. Man muss nicht malen "können".
Wir alle zeigen abhängig von der Situation unterschiedliche Seiten von uns: zu Hause, bei der Arbeit, im Freundeskreis oder in Stress-Situationen. Verhalten entsteht nicht isoliert, sondern steht immer im Zusammenhang mit dem Umfeld, den Beziehungen und den Erwartungen anderer. Für die Therapie bedeutet das:
- Probleme werden im Kontext verstanden.
Statt Symptome "wegzumachen", wird geschaut, wo und warum ein bestimmtes Verhalten Sinn ergibt.
- Es entsteht ein umfassenderes Bild.
Schwierigkeiten werden nicht auf die Person reduziert, sondern im Zusammenspiel mit Umwelt, Rollen und Beziehungen betrachtet.
- Mehr Optionen werden sichtbar.
Wenn Verhalten kontextabhängig ist, können in der Therapie neue Kontexte, Perspektiven und Handlungsmöglichkeiten entwickelt werden.
- Störungen sind Fähigkeiten.
Anstatt Symptome wegzudrücken, wird erkundet, wofür sie einmal hilfreich waren und wie diese Fähigkeiten heute sinnvoll eingesetzt werden können.
- Veränderung wird wirksamer.
Wer versteht, in welchen Situationen Muster ausgelöst werden, kann gezielt und ressourcenorientiert daran arbeiten.
"Ein Bild sagt mehr als tausend Worte" heißt es und es stimmt. Bilder helfen uns beim Lernen, Bilder erregen Aufmerksamkeit, Bilder erklären schwierige Konzepte, Bilder inspirieren. Deswegen sind Bilder so wirkungsstark. Und Bilder wecken Gefühle und Stimmungen in uns, weil sie direkt unser limbisches System ansprechen.
In der Arbeit mit kunsttherapeutischen Methoden gibt es eine Möglichkeit bzw. das Potential, die aus Schutz in Fragmenten getrennt voneinander abgelegten Bilder, beispielsweise bei traumatischem Erleben,
neu zusammenzusetzen und damit ein Lösungsbild oder auch ein alternatives, heilsames Narrativ zu schaffen.
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